Hippiebus für Mozart das Musical

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Im ersten Moment fragt man sich was ein Hippiebus in der Zeit von Mozart verloren hat, wenn man erfährt, dass es sich bei „Mozart ein Musical“ um eine moderne Inszenierung handelt, wird einiges klar. Ich wollte schon lange einen VW-Bus mit solch einem kultigen Flower-Power Motiv gestalten und so freute ich mich sehr über den Auftrag des Raimund Theaters.

 

Vorgeschichte

Im Musical ist der Hippiebus die Wohnung der Familie Weber. Das sind die Verlobte von Amadeus und deren Familie. Die Webers hatten den Ruf ein ausschweifendes Leben zu führen und der neue Schwiegersohn war eine willkommene Geldquelle. Zumindest was das Gefühl des „Easy Living“ der Familie Weber angeht, ist der Flower-Power Bus als Lebensmittelpunkt perfekt gewählt.

Als Basis für das Bühnenfahrzeug wurde ein nicht fahrtauglicher T2-Bus günstig in Deutschland erstanden. Eigentlich war ein T1 angedacht, doch das scheiterte am Budget und an der Auswahl. In einer Werkshalle im Gewerbegebiet Hagenbrunn ging es dann weiter. Der rostige Bus wurde komplett abgeschliffen, der Motor ausgebaut, das Dach ausgeschnitten und Verstärkungen eingeschweißt. Erst jetzt kam ich ins Spiel.

Die Mechaniker arbeiteten noch heftig am Bus während ich mit meiner Lackierarbeit beginnen sollte. Es gab viele Stellen die noch von Rost befreit und verspachtelt werden mussten, ein Elektromotor der Firma Wagner Biro sollte noch verbaut werden und die geplante Dachkonstruktion fehlte komplett. Das störungsfreie und meditative Arbeitsumfeld, das ich von meiner Airbrush-Werkstatt gewohnt war, konnte ich mir hier also abschminken. So machte ich mich an die Spachtelarbeiten und grundierte den Frontbereich. Wenigstens war es nicht nötig besonders fein zu arbeiten, da der Bus seine abgenutzte Erscheinung behalten sollte, lediglich die Funktion und Stabilität sollte hergestellt werden.

 

VW-Bus geschliffen

 

Grundierung Front

 

Frontbemalung

Wenn der Druck sehr groß ist, hilft es meistens einen kleinen Teil der Arbeit etwas vorzuziehen und großteils fertigzustellen. Das stärkt das Selbstvertrauen und auch kritische Betrachter, die dem Künstler zwischenzeitlich über die Schulter sehen, schenken diesem einen Vertrauensvorschuss. Aus dieser Überlegung heraus, widmete ich mich bald dem Design der Front. So konnten die Mechaniker auch ungestört am Heck weiterarbeiten.

 

Flower-Power VW Front

 

Linke Seite

Nachdem die Front zu überzeugen vermochte, setzte ich mit der linken Seite, fort. Diese war wichtiger, da Sie während des Musicals für längere Zeit sichtbar sein sollte. Mit einem alten Overheadprojektor projizierte ich teilweise die Vorzeichnung. Das ist sehr hilfreich bei so großen Malflächen, weil man aus der Nähe leicht den Überblick verliert. Als Grund verwendete ich die MIPA-EP-Grundierung, zum Vorzeichnen eigneten sich die Marker von Molotow One4All besonders. Jetzt musste ich die Flächen nur noch ausmalen.

Auch wenn diese Airbrushpistole für so einen großflächigen Einsatz nicht produziert wurde, fühlte ich mich mit meiner Iwata Revolution CR am wohlsten. Kurz versuchte ich auch die Collani von H&S aber damit hatte ich zu wenig Gefühl. Als Farben verwendete ich am ganzen Bus Spraydosen von Molotow und Montana, sowie verschiedene Airbrushfarben von Createx. Die Spraydosen werden bei dieser Technik übrigens in den Farbbecher der Airbrushpistole gesprüht und erst mit dieser dann fein auf den Malgrund appliziert.

 

Making Hippiebus

 

Bei vielen Malern stimmt schon der erste Farbauftrag, ich bin eher so veranlagt, das Bild entstehen zu lassen. Das ist nicht sehr effizient, da ich ein Bild oft mehrmals übermale bevor es fertig ist aber Hauptsache das Ergebnis stimmt. Hier die ziemlich fertige linke Seite (der Vergleich mit dem letzten Bild sagt alles).

 

Hippiebus Love

 

Rechte Seite

Das Motiv und die Größe des Malgrund erlaubten es so gut wie vollständig auf Klebeschablonen zu verzichten. Das war sehr praktisch, da ich mir so auch aufwendige Klarlack-Zwischenschichten ersparte. Diese wären theoretisch dann nötig, wenn man eine Klebeschablone, z. B. Malerkrepp, auf eine bereits bemalte Fläche aufbringen muss. In diesem Fall wäre die Gefahr zu groß, dass beim Abziehen die darunterliegende Farbe mitgerissen wird. Nur für einige Muster verwendete ich nicht klebende Freihandschablonen. Beispielsweise kamen für die Ornamente zwischen den Fenstern Spitzendecken zum Einsatz. Die Konturen zeichnete ich mit einem breiten Molotow-Marker nach. So stellte ich auch die zweite Seite fertig.

 

Flower-Power Bus

 

Dachaufbau

Jetzt war ein Großteil der Arbeit getan. Um die Bemalung schon mal vor den, noch immer werkenden, Mechanikern zu schützen, versiegelte ich die Karosserie nun mit mattem Profix 2-K Klarlack. Der Vorteil bei mattem Klarlack ist, dass man Staubeinschlüsse und Unebenheiten kaum sieht. Muss die Oberfläche nicht glänzen, ist das die perfekte Versiegelung wenn kein staubfreier Raum zur Verfügung steht. Am nächsten Tag, nachdem der Klarlack auf der Karosserie getrocknet war, startete ich mit der Bemalung des Dachaufbaus. Hier waren phantasievolle Weltraummotive gefragt, ein Klassiker der Airbrushmalerei.

 

VW-Bus Hippie

 

Die Bemalung des Dachaufbaus musste nicht versiegelt werden, da die verwendeten Molotow-Farben ohnehin von der Holzoberfläche eingesaugt wurden und an sich ja auch permanent haftend und witterungsbeständig sind. Da die Montagearbeiten schon so gut wie abgeschlossen waren, war es jetzt meine Aufgabe die Dachdeckung möglichst alt aussehen zu lassen.

 

Blumen Bus

 

Abschlussarbeiten

Modrige Stellen am Dachfirst und das neue Bullauge. Teilweise verwendete ich angekohltes Holz mit dem ich das weiß gestrichene Holz abrieb um einen realistischen Alterungseffekt zu erzeugen.

 

Airbrush modriges Holz

 

Polyester-Spachtel und braune Farbe, schon hat man schöne Roststellen am Kotflügel die niemals durchrosten werden:

 

Airbrush Rost

 

Fertig!

Das war mein Juni 2015, es war sehr anstrengend und nervenaufreibend aber die Freude über den bunten Hippiebus war groß!

Als der T2 dann bei der Premiere im Raimund Theater seinen ersten Auftritt absolvierte, war ich im ersten Moment ehrlich gesagt etwas enttäuscht. So viel Mühe hatten wir in das Projekt gesteckt, über jeden Quadratzentimeter des Designs wurde diskutiert und dann war das Kunstwerk gerademal für einen Akt im Bild. Noch dazu in schräger Position geparkt und die rechte Seite, eigentlich meine Lieblingsseite, war nur bei der Einfahrtsrunde für ein paar Sekunden sichtbar. Trotzdem, alle anderen waren begeistert und vielleicht waren meine Erwartungen zu groß. Immerhin kann man auf meiner Website die ganze Pracht dieses Gefährts bewundern!

 

Airbrush Hippiebus

Sprayer Peter Eichinger

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